Mittwoch, 6. Juli 2011
Montag, 4. Juli 2011
Was Altes.
- entstanden vor langer Zeit in einem Kurs namens Schreibwerkstatt
Wer weiss schon, was morgen ist
Wer weiss schon, was morgen ist. Der Satz steht da, das Papier saugt die Tinte auf. Der Stift verharrt in der Luft.
Wer weiss schon, was morgen ist, wiederholt sie für sich selbst. Sie zwängt die Antwort zwischen die Linien: Niemand weiss, was morgen ist.
Ihr Nacken schmerzt, zu lange sitzt sie schon da, den Stift in der Hand. Sie hatte schreiben wollen, es aufschreiben, aus der Welt schaffen, loswerden. Wegschliessen, verstecken in der untersten Schublade des Schreibtischs.
Sie hat kaum geschrieben, geweint stattdessen. Die Welt verschwommen vor den Augen.
Wer weiss schon, was morgen ist, hat er gesagt.
Sie senkt den Stift aufs Papier und schreibt: Wie dumm vom ihm. Als würde das irgendetwas erklären.
Ihr Blick fällt auf sein Gesicht, die blauen Augen strahlen und das Lächeln geht bis in die Mundwinkel. Früher war das so, bevor er diesen dummen Satz sagte.
Sie will ihn nicht ansehen, kippt das Foto vorneüber, das Glas über seinem Gesicht klirrt protestierend.
Draussen saust und braust das Leben auf der Hauptstrasse, die sie nie gemocht hat. Zu laut, nimmt ihr den Schlaf. Die Kirche in der Ecke zwischen Supermarkt und Gymnasium läutet, irgendwo bellt ein Hund. Sie schliesst das Fenster, sperrt das Leben aus.
Wer weiss schon, was morgen ist, immer wieder hört sie ihn in ihrem Kopf. Du hast gelogen, schreibt sie. Du wusstest genau, dass es für mich schon morgen keine Platz mehr in deinem Leben gibt. Morgen ist heute. Jetzt bin ich allein.
Sie streicht sich eine rote Strähne aus dem Gesicht und steht wieder auf. Wenige Schritte sind es nur bis ins Badezimmer. Sie kramt in der Kiste mit den Medikamenten. Der Kopf tut weh, der Nacken ist steif.
Ihr Mobile spielt Chopin, drüben auf dem Schreibtisch. Alan ruft an, sagt die Anzeige.
Was willst du mir sagen? Dass du nicht weißt, was morgen ist? Ich will es nicht hören. Sie drückt ihn weg.
Wieder im Badezimmer findet sie eine Kopfschmerztabletten und eine andere weisse Schachtel, die sie ganz vergessen hatte.
Sie dreht und wendet die Schachtel in den Fingern.
Er hat ihr einmal eine Karte geschrieben, mit Venedig vorne drauf. Unter einem unglaublich violetten Himmel. Hinten drauf stand: Ich vermisse dich jetzt schon. Und dann: Ich kann ohne dich nicht leben, weißt du das?
Ich kann ohne dich nicht leben. Du kannst ohne mich nicht leben. Er kann ohne sie nicht leben. Sie kann ohne euch nicht leben. Ihr könnt ohne sie nicht leben. Wir können ohne dich nicht leben. Sie können ohne mich nicht leben.
Nie hätte sie gedacht, einmal Kindern Verben einzutrichtern. Plusquamperfekt und Präsens. Sie wollte doch Schauspielerin werden oder Entdeckungen machen, Atlantis finden, Pyramiden erforschen.
Ich kann noch dich nicht leben. Ich konnte ohne dich nicht leben. Ich habe nicht ohne dich leben können.
Sie lacht jetzt und es schmeckt bitter auf der Zunge. Das Gesicht im Spiegel starrt zurück, zu viel Rot um und in den Augen. Sie schüttelt den Kopf und die Frau im Spiegel tut dasselbe.
Ein Glas Wasser in der Küche, rasch getrunken. Sie zerknüllt das Blatt Papier und beginnt ein neues. Dann schaltet sie das Mobile aus, legt die weisse Schachtel daneben und sich selbst aufs Sofa.
Wie konnte ich ein orangefarbenes Sofa kaufen, fragt sie sich. Das beisst sich doch mit meinen Haaren.
Es beisst sich, es biss sich, es hat sich gebissen, es hatte sich gebissen.
Am nächsten Morgen knirscht ein Schlüssel im Schloss, der Zweitschlüssel zur Wohnung, er will ihn ihr zurückbringen. Er findet sie auf dem Sofa, rotes Haar auf Orange, nur das Gesicht ist so weiss, viel zu weiss.
Zwei Sätze nur auf dem Zettel in ihrer Hand: Wer weiss schon, was morgen ist. Es wird kein Morgen geben.
Wer weiss schon, was morgen ist
Wer weiss schon, was morgen ist. Der Satz steht da, das Papier saugt die Tinte auf. Der Stift verharrt in der Luft.
Wer weiss schon, was morgen ist, wiederholt sie für sich selbst. Sie zwängt die Antwort zwischen die Linien: Niemand weiss, was morgen ist.
Ihr Nacken schmerzt, zu lange sitzt sie schon da, den Stift in der Hand. Sie hatte schreiben wollen, es aufschreiben, aus der Welt schaffen, loswerden. Wegschliessen, verstecken in der untersten Schublade des Schreibtischs.
Sie hat kaum geschrieben, geweint stattdessen. Die Welt verschwommen vor den Augen.
Wer weiss schon, was morgen ist, hat er gesagt.
Sie senkt den Stift aufs Papier und schreibt: Wie dumm vom ihm. Als würde das irgendetwas erklären.
Ihr Blick fällt auf sein Gesicht, die blauen Augen strahlen und das Lächeln geht bis in die Mundwinkel. Früher war das so, bevor er diesen dummen Satz sagte.
Sie will ihn nicht ansehen, kippt das Foto vorneüber, das Glas über seinem Gesicht klirrt protestierend.
Draussen saust und braust das Leben auf der Hauptstrasse, die sie nie gemocht hat. Zu laut, nimmt ihr den Schlaf. Die Kirche in der Ecke zwischen Supermarkt und Gymnasium läutet, irgendwo bellt ein Hund. Sie schliesst das Fenster, sperrt das Leben aus.
Wer weiss schon, was morgen ist, immer wieder hört sie ihn in ihrem Kopf. Du hast gelogen, schreibt sie. Du wusstest genau, dass es für mich schon morgen keine Platz mehr in deinem Leben gibt. Morgen ist heute. Jetzt bin ich allein.
Sie streicht sich eine rote Strähne aus dem Gesicht und steht wieder auf. Wenige Schritte sind es nur bis ins Badezimmer. Sie kramt in der Kiste mit den Medikamenten. Der Kopf tut weh, der Nacken ist steif.
Ihr Mobile spielt Chopin, drüben auf dem Schreibtisch. Alan ruft an, sagt die Anzeige.
Was willst du mir sagen? Dass du nicht weißt, was morgen ist? Ich will es nicht hören. Sie drückt ihn weg.
Wieder im Badezimmer findet sie eine Kopfschmerztabletten und eine andere weisse Schachtel, die sie ganz vergessen hatte.
Sie dreht und wendet die Schachtel in den Fingern.
Er hat ihr einmal eine Karte geschrieben, mit Venedig vorne drauf. Unter einem unglaublich violetten Himmel. Hinten drauf stand: Ich vermisse dich jetzt schon. Und dann: Ich kann ohne dich nicht leben, weißt du das?
Ich kann ohne dich nicht leben. Du kannst ohne mich nicht leben. Er kann ohne sie nicht leben. Sie kann ohne euch nicht leben. Ihr könnt ohne sie nicht leben. Wir können ohne dich nicht leben. Sie können ohne mich nicht leben.
Nie hätte sie gedacht, einmal Kindern Verben einzutrichtern. Plusquamperfekt und Präsens. Sie wollte doch Schauspielerin werden oder Entdeckungen machen, Atlantis finden, Pyramiden erforschen.
Ich kann noch dich nicht leben. Ich konnte ohne dich nicht leben. Ich habe nicht ohne dich leben können.
Sie lacht jetzt und es schmeckt bitter auf der Zunge. Das Gesicht im Spiegel starrt zurück, zu viel Rot um und in den Augen. Sie schüttelt den Kopf und die Frau im Spiegel tut dasselbe.
Ein Glas Wasser in der Küche, rasch getrunken. Sie zerknüllt das Blatt Papier und beginnt ein neues. Dann schaltet sie das Mobile aus, legt die weisse Schachtel daneben und sich selbst aufs Sofa.
Wie konnte ich ein orangefarbenes Sofa kaufen, fragt sie sich. Das beisst sich doch mit meinen Haaren.
Es beisst sich, es biss sich, es hat sich gebissen, es hatte sich gebissen.
Am nächsten Morgen knirscht ein Schlüssel im Schloss, der Zweitschlüssel zur Wohnung, er will ihn ihr zurückbringen. Er findet sie auf dem Sofa, rotes Haar auf Orange, nur das Gesicht ist so weiss, viel zu weiss.
Zwei Sätze nur auf dem Zettel in ihrer Hand: Wer weiss schon, was morgen ist. Es wird kein Morgen geben.
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